Juni 25, 2013

Wasser

Ich komme gerade aus dem Schwimmbad. Es war nötig, den Kopf irgendwie frei zu bekommen, nachdem sich die Ereignisse heute überschlagen haben...
Ein Anruf. Endlich ein ehrliches Gespräch, handfeste Gründe, die Antworten, die ich so dringend brauchte. Jedes Wort eine Lüge, jedes >>ich liebe dich<<, jeder Kuss eine Farce.
Ich betrete die Schwimmhalle. Keine Menschenseele ist da. Das Wasser liegt ruhig vor mir, es kennt meinen Schmerz, es wartet scheinbar darauf, mir kühle Linderung zu geben. Langsam geh ich die Treppe runter. Ich bin aufgewühlt, verletzt, unglaublich wütend und enttäuscht. Meine Zehen berühren das kalte Wasser. Wellen wühlen das Wasser auf, es ist ebenso unruhig wie ich. Ich lasse mich fallen. Tauche unter, ziehe die ersten Bahnen und merke, wie ich langsam ruhiger werde. Wie ich im Takt meines Herzschlags langsam durch das Wasser gleite, mit jedem Zug die Ereignisse weiter hinter mir lasse. Das tut unglaublich gut. Ich schwimme langsam zur tiefsten Stelle des Beckens und lasse mich langsam zum Boden sinken. Dort bin ich, alles um mich herum ist so herrlich still. Auch das pochende Herz und die Stimmen in meinem Kopf kommen endlich zur Ruhe. Ich fühle mich geborgen. Hat es sich so im Mutterleib angefühlt?
Herrlich.
Meine Probleme kommen mir weniger schlimm vor. Hier könnte ich ewig bleiben...
Doch irgendwann geht mir die Luft aus. Ich tauche wieder auf, verlasse diesen sicheren Ort.
In der Zwischenzeit hat sich das Bad gefüllt.
Ich glaube, das ist das Leben.

Kommentare:

  1. Wow!!
    Es tut mir sehr, sehr leid was passiert ist! Aber wie man wieder einmal sieht ist Schmerz die beste Muse. Der Text ist genial!

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  2. Hallo Hanni, sehr eindrucksvoll geschrieben, Ja wir erleben Wendepunkte und scheinen auf der Stelle zu treten, während uns das Leben einholt, und wir versuchen müssen, wieder den richtigen fuß hineinzusetzen.
    Liebe Grüße
    Dio

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